Schwarzweißaufnahme der jüngeren Frieda Ehlers im Garten des Seesterns. Ein Windstoß bläht ein großes Bettlaken wie ein Segel auf, während eine einzelne Wäscheklammer durch die Luft fliegt und Frieda lachend versucht, die Wäsche festzuhalten.

# 30 Der Wind war schneller

Wäsche aufhängen gehörte zu den Dingen, über die man nicht lange nachdachte.
Man tat es einfach.
Bis der Wind beschloss, eigene Pläne zu haben.

Kaum hatte Frieda das große Bettlaken über die Leine gelegt, blähte es sich auf wie das Segel eines Schiffes. Einen kurzen Moment zog es sie quer durch den Garten.

Eine einzige Wäscheklammer löste sich von der Leine und verschwand im hohen Bogen zwischen den Blumenbeeten.

Statt sich zu ärgern, musste Frieda lachen.
Genau in diesem Augenblick drückte Hans auf den Auslöser.

Nicht, weil das Bettlaken besonders fotogen gewesen wäre.
Sondern weil ihn dieses Lachen an die junge Frau erinnerte, die er viele Jahre zuvor kennen- und zu lieben gelernt hatte.

Für einen winzigen Augenblick schien die Zeit stillzustehen.

Der Wind ließ nach.
Das Bettlaken sank wieder in sich zusammen.
Und Frieda hing die Wäsche auf, als wäre nichts gewesen.

Hans Ehlers fotografierte keinen Haushalt.
Er fotografierte einen dieser seltenen Augenblicke, in denen das Leben für einen Moment lauter lachte als der Alltag.

Faktenbox:

  • Ausstellung: Hans Ehlers – Seine letzten Bilder
  • Motivnummer: 30 von 36
  • Technik: Schwarzweiß-Fotografie
  • Ort: Garten des Seesterns
  • Aufnahme: Ende der 1990er-Jahre
  • Fotograf: Hans Ehlers

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