
Hinnerk Thomsen
Steckbrief:
Geboren: 14.04.1952
Familie: Verheiratet mit Birgit Thomsen
Beruf: Ehemaliger Werftarbeiter
Besonderheit: Gehört mit Latzhose und Schiffermütze fast ebenso selbstverständlich zum Hafenbild wie Kräne und Möwen.
Charakter: Bodenständig, direkt, wortkarg und zuverlässig; nach außen rauer, als er tatsächlich ist.
Typisch für ihn: Hinnerk sagt selten mehr als nötig. Meist reicht es trotzdem.
Hinnerk Thomsen hat einen großen Teil seines Lebens auf der Havenhusener Werft verbracht. Dort gehörte er zu den Männern, die morgens nicht lange erklärten, was zu tun war, sondern einfach damit anfingen.
Seine Latzhose war Arbeitskleidung, Werkzeugtasche und gelegentlich auch Serviette in einem. Die Schiffermütze gehörte ebenso selbstverständlich dazu. Wer Hinnerk ohne sie sah, musste schon einen ausgesprochen offiziellen Anlass erwischt haben.
Auf der Werft galt er als zuverlässig und praktisch veranlagt. Hinnerk hielt wenig von großen Reden, komplizierten Erklärungen oder Menschen, die länger über eine Arbeit sprachen, als sie für deren Erledigung gebraucht hätten. Wenn etwas nicht funktionierte, sah er es sich an. Wenn er wusste, woran es lag, reparierte er es. Und wenn es nicht zu retten war, sagte er das ebenfalls ohne Umschweife.
Mit Birgit ist Hinnerk seit vielen Jahren verheiratet. Während sie in der Werftkantine für Wärme, Kaffee und Geselligkeit sorgte, war Hinnerk draußen zwischen Schiffen, Maschinen und Werkzeug zu Hause. Bei Feiern in der Kantine saß er meist dort, wo er alles beobachten konnte, ohne selbst unnötig im Mittelpunkt zu stehen.
Als die Werft verkleinert wurde, veränderte sich auch für die beiden ein großer Teil ihres gewohnten Lebens. Birgit verlor ihre Stelle in der Kantine, und auch Hinnerks Arbeitswelt wurde nach und nach kleiner. Der Werftgemeinschaft blieben beide dennoch eng verbunden.
Heute ist Hinnerk im Ruhestand, aber keineswegs aus dem Havenhusener Alltag verschwunden. Man trifft ihn regelmäßig am Hafen, auf dem Weg durch die Stadt oder bei Jan’s Fischbude. Dort bestellt er gewöhnlich nicht ausführlich.
„Einmal wie immer.“
Jan weiß dann längst, welches Fischbrötchen gemeint ist.
Hinnerk hört mehr, als er selbst erzählt. Die Neuigkeiten am Hafen nimmt er aufmerksam zur Kenntnis, kommentiert sie aber höchstens mit einem knappen Satz oder einem kaum merklichen Kopfschütteln. Wer darin Desinteresse vermutet, kennt ihn schlecht. Wenn wirklich Hilfe gebraucht wird, ist Hinnerk meist da.
Seine Art ist direkt und manchmal etwas rau. Dabei meint er es selten böse. Hinnerk hält nur nicht viel davon, eine einfache Wahrheit mit unnötig vielen freundlichen Worten zu verpacken.
Er gehört zu einer Generation von Werftleuten, für die Verlässlichkeit keine besondere Tugend war, sondern eine Selbstverständlichkeit. Und obwohl sich Havenhusen verändert hat, gehört Hinnerk weiterhin fest zum Ort – mit Latzhose, Schiffermütze und einem Fischbrötchen in der Hand.
