
Jan Jensen
Steckbrief:
Geboren: 12.06.1972
Beruf: Ehemaliger Sternekoch; heute Betreiber von Jan’s Fischbude
Wohnort: Hausboot Polarstern II
Wegbegleiter: Maddin
Besonderheit: Tauschte die Spitzengastronomie gegen eine kleine Fischbude – aber nicht gegen schlechteres Essen.
Charakter: Ruhig, aufmerksam, humorvoll und unaufdringlich; ein guter Zuhörer, der selten ungefragt Ratschläge erteilt.
Typisch für ihn: Viele kommen wegen des Fischs und gehen mit einer Antwort auf eine Frage, die sie eigentlich gar nicht stellen wollten.
Jan Jensen war schon früh ein außergewöhnlich begabter Koch. Er arbeitete sich in die Spitzengastronomie hinauf und wurde bereits in jungen Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.
Nach außen sah sein Leben nach Erfolg aus. Hinter den Kulissen bestimmten jedoch Zeitdruck, Perfektionismus und der ständige Zwang, noch besser zu werden, seinen Alltag.
Jan kochte irgendwann nicht mehr aus Freude, sondern nur noch gegen die nächste Erwartung an.
Schließlich ging nichts mehr.
Der Burnout zwang ihn, sein bisheriges Leben vollständig infrage zu stellen. Jan verließ die Spitzengastronomie und kehrte zunächst nach Havenhusen zurück. Dort arbeitete er zeitweise auf der Werft und half 1998 bei der Instandsetzung eines alten Werftbootes. Franz Kasulke zeigte ihm dabei, wie man mit Werkzeug, Metall und Geduld Probleme löst, die sich nicht mit einem Rezept beheben ließen.
Auch kulinarisch lernte Jan weiter. Von Luc Moreau übernahm er ein noch genaueres Gespür für Fisch, Brühen und die einfachen Gerichte der Küstenküche.
Doch Jan war noch nicht bereit, in Havenhusen zu bleiben. 2002 brach er zu einer längeren Reise auf. Sie führte ihn nicht nur an verschiedene Orte, sondern vor allem weg von allem, was andere von ihm erwarteten.
Während dieser Reise kam Maddin in sein Leben.
Die Heringsmöwe war weder geplant noch besonders höflich. Sie nahm sich, was sie brauchte, blieb, wann sie wollte, und ignorierte Jans Versuche, klare Regeln aufzustellen.
Trotzdem – oder gerade deshalb – wurde sie zu seinem Begleiter.
Maddin gab Jan etwas, das ihm lange gefehlt hatte: einen festen Bezugspunkt, der keine Leistung verlangte. Die Möwe interessierte sich nicht für Sterne, Kritiker oder perfekte Teller.
Sie wollte Futter, Aufmerksamkeit und gelegentlich ihren Willen durchsetzen.
Auf diese Weise half Maddin Jan, wieder Verantwortung zu übernehmen, ohne sich dabei selbst zu verlieren.
2004 kehrte Jan nach Havenhusen zurück. Mit der Polarstern II fand er ein neues Zuhause auf dem Wasser. Ein Jahr später eröffnete er Jan’s Fischbude.
Dort serviert er Backfisch, Fischbrötchen und andere Küstenklassiker. Die Gerichte sind einfacher als in seinem früheren Leben – Jans Ansprüche an Zutaten und Zubereitung sind es nicht.
Auf der Polarstern II kocht er für Freunde und ausgewählte Gäste gelegentlich seine berühmte Fischsuppe. Ein festes Rezept dafür gibt es angeblich nicht. Jan behauptet, eine gute Fischsuppe müsse sich danach richten, was das Meer und der Tag gerade hergeben.
Im Laufe der Jahre wurde die Fischbude zu mehr als einem Imbiss. Sie ist Treffpunkt, Nachrichtenbörse und gelegentlich eine Art Beratungsstelle ohne Sprechzeiten.
Jan hört zu, stellt die richtige Frage und sagt häufig weniger, als sein Gegenüber erwartet. Vielleicht kommen gerade deshalb viele Menschen wieder.
Maddin ist dabei fast immer in der Nähe. Offiziell gehört die Möwe niemandem.
In Havenhusen bezweifelt allerdings kaum jemand, dass Jan längst ihr Mensch geworden ist.
