Kalle Brodersen

Steckbrief:
Vollständiger Name: Karl-Heinz Brodersen
Rufname: Kalle
Geboren: 18.10.1971
Beruf: Elektromeister und Inhaber von Elektro Brodersen
Besonderheit: Hat den alten Leuchtturm gepachtet und dort nicht nur die Technik im Griff, sondern sich auch seinen ganz persönlichen Rückzugsort eingerichtet.
Charakter: Freundlich, trocken, aufmerksam und ständig in Bewegung; praktisch veranlagt, technikoffen und mit einem ausgeprägten Sinn für gute Musik.
Typisch für ihn: „Kann man besser machen.“

Kalle Brodersen geht eigentlich nie. Er wuselt.

Meist trägt er das Firmenpolo von Elektro Brodersen, dazu eine Hose mit vielen Taschen und oft noch eine Weste mit zusätzlichen Fächern. Darin befinden sich Messgeräte, Schraubendreher, Kabelbinder, Sicherungen, Adapter und Dinge, deren Zweck außer Kalle niemand sofort erkennt.

Wenn irgendwo in Havenhusen das Licht flackert, eine Leitung streikt oder ein Gerät ein Geräusch macht, das es nach Ansicht seines Besitzers noch nie gemacht hat, fällt meist derselbe Satz:
„Da muss Kalle mal gucken.“

Kalle übernahm Elektro Brodersen von seinem verstorbenen Vater. Der Familienbetrieb gehört seit vielen Jahren fest zu Havenhusen. Für Kalle bedeutet Tradition allerdings nicht, dass alles so bleiben muss, wie es schon immer war.

Er modernisierte Beleuchtungen, plante Anschlüsse für neue Technik, kümmerte sich um Netzwerke, Steuerungen und elektrische Anlagen. Auf dem Marktplatz tauschte er alte Leuchten gegen sparsamere Technik – selbstverständlich erst, nachdem ausführlich darüber diskutiert worden war, ob das neue Licht noch „havenhusenerisch genug“ wirke.

Kalle steht für den Teil Havenhusens, der nach vorn blickt. Neue Technik interessiert ihn, solange sie ein Problem löst und nicht nur ein weiteres Gerät hervorbringt, das ständig aktualisiert werden möchte.

Besonders am Herzen liegt ihm der alte Leuchtturm. Kalle hat ihn gepachtet und kümmert sich um die technischen Anlagen. Doch der Turm ist für ihn längst mehr geworden als ein Projekt oder ein Ort für Wartungsarbeiten.

Im Inneren hat Kalle sich seine ganz persönliche Man Cave eingerichtet.

Dort oben gibt es ein Musikzimmer, ein kleines Minikino und eine sorgfältig zusammengestellte Plattensammlung. Zwischen Technik, Lautsprechern, Filmen und Regalen voller Schallplatten findet Kalle den Rückzugsort, den er unten im Alltag oft nicht hat.

Der Leuchtturm ist sein Refugium: ein Ort über den Dingen, an dem er Musik hört, Filme schaut, tüftelt und einfach einmal niemand etwas von ihm will – außer vielleicht eine defekte Lampe, aber selbst die muss dann bis morgen warten.

Diese Leidenschaft für Musik begann früh.

In den Achtzigerjahren spielte Kalle Gitarre bei The Howlers, einer Havenhusener Jugendband. Beim Hafenfest 1988 waren die Bandmitglieder gerade einmal sechzehn Jahre alt. Hans Ehlers fotografierte die Howlers mehrfach und hielt damit eine Zeit fest, an die Kalle heute meist mit trockenem Humor zurückdenkt.

„Wir waren sechzehn“, sagt er gern, wenn jemand die musikalische Qualität der damaligen Auftritte beurteilen möchte.

Zu den Menschen, die die Band unterstützten, gehörte auch Willi Kruse. Willi reparierte Verstärker, improvisierte Kabel und sorgte dafür, dass die Howlers überhaupt Strom hatten. Offiziell war er kein Mitglied der ursprünglichen Besetzung. Inoffiziell galt er längst als sechster Howler.

Die Verbindung zwischen Kalle und Willi besteht bis heute. Beide teilen die Begeisterung für Technik, Motorräder, laute Musik und Lösungen, die nicht erst in einer langen Besprechung beschlossen werden müssen.

In seiner Familie ist Kalle der letzte Brodersen. Eine eigene Familie hat er nie gegründet.

„Für so was muss man Zeit haben“, sagt er.

Und schon ist er wieder unterwegs, weil irgendwo eine Sicherung herausgeflogen ist.

Kalle ist kein Mann großer Auftritte. Er beobachtet, hört zu und löst Probleme gewöhnlich, bevor jemand daraus eine Grundsatzfrage machen kann. Sein Humor ist trocken, aber selten verletzend.

Trotz seiner ständig vollen Auftragsliste findet er Zeit, wenn es wirklich wichtig ist.
Er gehört zu den Menschen, auf die man sich verlassen kann – auch wenn er während des Gesprächs bereits mit einem Messgerät in der Hand unter dem nächsten Schrank verschwindet.

Für Kalle ist fast alles reparierbar.
Und was bereits funktioniert, kann man meistens noch besser machen.